Depression – Rückzug vom Leben und warum positive Kontakte so wichtig sind.

Schwer zu verstehen und noch schwerer zu erklären.

Es ist ein normaler Freitag. Das Wochenende steht vor der Tür. Den ganzen Tag tauschten sich die Kollegen über ihre Pläne fürs Wochenende aus und ich versuche, diesen Unterhaltungen möglichst aus dem Weg zu gehen.

Jetzt, endlich Zuhause und in der Stille angekommen, sinke ich an meiner Tür zu Boden und weiß nicht, wie ich diesen Tag überstanden habe. Ich will nichts hören, nichts sehen, nichts sagen müssen. Und schon klingelt mein Handy – mein bester Freund.

Noch vor ein paar Monaten waren die Wochenenden und die gemeinsame Zeit mit Freunden und Familie „quality time“. Sommerabende im Garten, Ausflüge, Gespräche – all das, was das Leben schön macht. Jetzt fehlt mir die Kraft dafür. Ich ziehe mich immer mehr zurück – von der Welt und meinen Lieben. Bin allein mit mir und meinen Gedanken und weiß nicht, was ich tun soll. Und dann kommt sie wieder, die Frage. Die Frage, die zu oft gestellt wird und auf die ich keine Antwort geben kann.

Was ist nur los mit Dir?

Rückblickend auf diese Zeit spüre ich noch heute ein tiefes Gefühl von Traurigkeit. „Mein Rückzug“ kam schleichend. Aus einem Besuch wurde ein kurzer Anruf. Ich erfand Ausreden, um Verabredungen abzusagen. Meldete mich immer weniger von allein. Doch dieses Gerüst kann niemand lange aufrechterhalten und die Menschen in meinem Umfeld begannen eine Veränderung zu sehen, die sie nicht verstanden.

Was ist unsere Reaktion, wenn sich ein nahestehender Mensch verändert, nicht mehr so ist wie wir ihn kennen? Wir machen uns Sorgen, wir wollen wissen was los ist und ob wir etwas tun können.

Völlig natürlich und nachvollziehbar. Für mich war es in jenen Tage nur noch eins – unerträglich.

Depression und die Frage „Was ist los mit Dir`“

Positive Kontakte

Verlust von Interesse und Freude, Niedergeschlagenheit und verminderter Antrieb gehören zu den 3 Hauptsymptomen einer Depression.

Der Kontakt zu anderen Menschen kann zur Herausforderung werden und es fällt schwer, die Motivation aufzubringen und bewusst Kontakt zu suchen.

Ich kann nur zu gut nachvollziehen, welche große Anstrengung dies für alle Betroffenen bedeutet und es oft schlicht nicht geht, weil die Kraft fehlt. Positive soziale Kontakte können jedoch gerade in dieser Zeit und der Phase der Heilung einer Depression zur größten Stütze werden.

Ich habe ein sehr inniges Verhältnis zu meinen Großeltern und ich erinnere mich noch an einen besonderen Tag. Ein Satz und eine Geste, welche mir auch heute noch viel Kraft geben.

Es war einer der Tage, an dem ich den Besuch bei meinen Großeltern nicht umgehen konnte, zu oft hatte ich die letzten Verabredungen schon abgesagt. Und so saß ich mit meinem Opa am Tisch und suchte nach Worten. Ich wollte erklären was mit mir los ist und warum ich in letzter Zeit so selten vorbeigekommen bin. Ich setze mehrfach an und fand aber keine Worte. Mein Opa nahm meine Hand und sagte: „Junge, Du brauchst nichts zu erklären – wir sind immer für Dich da, egal was ist passiert“.

Er nahm mich in den Arm und fĂĽr einen kurzen Moment fand ich den Halt, den ich verloren hatte.

Eine Depression raubt Dir vieles – lass Dir Deine Freunde nicht nehmen.

Eine Depression verlangt Dir viel ab und raubt Dir vieles. Deine Energie, Freude, Zeit, Deine Gedanken, Dein SelbstwertgefĂĽhl und im schlimmsten Fall auch die wichtigen Menschen in Deinem Leben.

In dieser Zeit sind es aber gerade jene Menschen, die Dich stützen und Dir Kraft geben können.

Warum? Weil Du ihnen nichts erklären musst und sie vorbehaltlos für Dich da sind. Es müssen nicht die langen Partys und stundenlangen Gespräche sein – auch kleine Schritte können von unbezahlbarem Wert für Dich sein:

  • Ein gemeinsamer Spaziergang.
  • Eine gemeinsame Mahlzeit.
  • Alltägliches miteinander erledigen – z.B. Einkaufen.

Du kannst eine Depression nicht allein überwinden. Familie und Freunde sind ein wichtiger Bestandteil und eine große Unterstützung während deines Heilungsprozesses.

Für Freunde und Angehörige

WofĂĽr ich meinen Freunden und meiner Familie heute noch dankbar bin:

  • Sie waren geduldig mit mir.
  • Sie waren vorbehaltlos fĂĽr mich da und haben einfach nur zugehört, wenn ich bereit war zu reden, ohne das Gesagte zu bewerten.
  • Sie haben mich bedingungslos unterstĂĽtzt und ermutigt – egal in welcher Phase meiner Depression.
  • Sie sind geblieben, auch wenn ich es ihnen nicht einfach gemacht habe.
Familie und Freunde – Unterstützung während einer Depression.

Bleibt in Kontakt, auch wenn es schwer ist.

Gemeinsam gegen Depression.

Liebe GrĂĽĂźe

Markus



Bitte beachten, dass im Fall einer Erkrankung oder des Verdachts auf eine Depression das Gespräch mit einem Arzt oder Psychotherapeuten unverzichtbar ist.

Falls Du Dir um Deine eigene psychische Gesundheit oder um die eines geliebten Menschen Sorgen machst, findest Informationen und Hilfsangebote z. B. bei der Stiftung Deutsche Depressionshilfe.

Bild 2 + 3: Quelle pixaby.com

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