Steilküste Wangels

Ein Sommerurlaub – offline.

Ein Erfahrungsbericht.

Willkommen im Nirgendwo.

Auch der Sommerurlaub 2020 stand ganz unter dem Einfluss der Corona-Pandemie. Da eine Flucht ins Ausland nicht möglich war, entschieden wir uns dazu, Bekannte an der Ostsee zu besuchen. Und so starteten wir Ende Juli in Richtung Norden. Unser Ziel – ein kleines Dorf in der Gemeinde Wangels, unweit von der Ostseeküste entfernt. Wie wir feststellten, für Google Maps ein schwarzes Loch auf der Karte. Willkommen im Nirgendwo.

Ankommen.

Und da standen wir nun. Angekommen in der ländlichen Idylle Schleswig-Holsteins, bereit für eine Woche Erholung, Sonne und Strand – offline.

Unsere Bekannten hatten uns im Vorfeld bereits darauf vorbereitet, aber als ich merkte, dass das Ganze kein Scherz gewesen zu sein schien, bekam ich dann doch schwitzige Hände und ich merkte eine leichte Panik in mir aufsteigen.

Erstmal Koffer auspacken, es ist schließlich unser Urlaub und die vergangenen Monate waren ein Kraftakt. Ich beschloss, der Situation eine Chance geben und mich darauf einlassen.

Und kurz darauf lief ich mit erhobenem Arm und nach Netz suchend über das Grundstück.

Schleswig-Holstein

Warum abschalten so schwierig ist.

Egal ob beruflich oder privat – ohne unser Handy verlassen wir kaum noch das Haus. Wir sind es gewohnt, immer und überall erreichbar zu sein. Jederzeit einsatzbereit. Es einfach mal alles abschalten – das ist einfacher gesagt als getan. Doch worin liegt die Herausforderung, einfach und ohne schlechtes Gewissen, zu sagen „ich bin jetzt mal weg, offline und nicht erreichbar“?

Klar kann man sagen, dass andere (der Chef, die Kollegen etc.) es genau so von uns erwarten. Wofür hat man schließlich ein Diensthandy oder wurde in eine gewisse Position befördert – da muss das so sein, offline geht gar nicht! Auch ich rede mir das gern immer wieder so ein. Aber ist das wirklich so?

Liegt es aber nicht eher an unserer eigenen Erwartungshaltung und Ansprüchen an uns selbst und unseren Ängsten?


  • Offline = ich verpasse Neuigkeiten.
  • Offline = ich verliere den Anschluss.
  • Offline = ich könnte nicht mehr gebraucht werden.
  • Offline = andere könnten denken, dass ich meinen Job nicht wichtig nehme.
  • Offline = andere könnten durch meine Abwesenheit in Schwierigkeiten geraten.

Ein gefährliches Gedankenkarussell, welches krank macht, wirkliche Entspannung verhindert und uns davon abhält im Hier und Jetzt den Moment zu genießen.

Ich bin wichtig.

Back to nature.

Nachdem der erste Tag noch sehr angespannt verlaufen war, blieben nur 2 Optionen. Ich kann mir die restliche Zeit den Kopf darüber zerbrechen was eventuell sein könnte oder ich entscheide mich aktiv dafür, die Zeit, den Ort und den Sommer zu genießen.

Also blieb mein Handy den Großteil der Zeit im Zimmer und die folgenden Tage waren wie ein Ausflug in eine „andere“ Welt. Eine heilsame Welt.

Wir unternahmen lange Spaziergänge am Strand. An Regentagen verbrachten wir die Zeit damit unsere mitgebrachten Bücher zu lesen. Wir kochten gemeinsam und verlebten entspannte Abende.

Mein persönliches Dauerhighlight war jedoch – Gartenarbeit. Unsere Bekannten haben ein riesiges Grundstück, welches natürlich gepflegt werden möchte. Und so übernahm ich den Schnitt der vielen Rosen, mähte Rasen, genoss die Sommersonne und die frische Luft. Nichts Besonderes, aber für diesen kurzen Moment der Urlaubswoche war sie wieder da – die Verbindung zu mir und zur Natur.

Ostseestrand.

Und ganz nebenbei hat sich keine meiner Ängste und Befürchtungen bestätigt.

Gönne Dir regelmäßig Pausen und Auszeiten.

Komme wieder in Verbindung mit Dir selbst und gönne Dir regelmäßige (offline) Pausen und Auszeiten. Entscheide Dich aktiv dafür, Dir diese Zeiten zu gönnen – egal welche Befürchtungen sich in Dir aufbauen. Es ist ein Lernprozess – Übung macht ja bekanntlich den Meister.

Fange klein an, vielleicht mit ein paar Minuten am Tag. Lass dein Handy beim nächsten Spaziergang einfach mal Zuhause und konzentriere dich bewusst auf deine Umgebung.

Viel Erfolg. Ich übe auch weiter und kann meine freie Zeit immer mehr genießen.

Dieser Beitrag ist Teil der “Die trotz Corona Blogparade: Urlaub und Reisen 2021

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